Boardbesprechungen

3 Gedanken zu „Boardbesprechungen

  1. Im Folgenden möchte ich zwei aktuelle Boards kommentieren, die beide das Thema „Vollspiel in der Oberfarbe“ haben, wobei das erste Board sogar vom Rechner als Schlemm eingeschätzt wird; dass jedoch in diesem Fall Menschen nicht auf die Idee kommen, bei diesem Board Schlemm zu reizen, ist eben „menschlich“, und man sollte sich keine weiteren Gedanken darüber machen.

    Es handelt sich um Board 5 vom Turnier am Montag, 08.06.26 und Board 2 vom Turnier am Donnerstag, 11.06.26, und es geht um die Trumpfbehandlung.

    Vorab natürlich die Anmerkung, dass Bridge ein TRUMPF-SPIEL ist, dessen Sinn darin besteht, eine der vier Farben zum Trumpf zu küren, damit man durch Verstechen mehr Stiche machen kann. Sans Atout hat natürlich seine Berechtigung, jedoch sollten wir grundsätzlich SA als eine Art „Nebenlösung“ sehen, wenn man eine Teilung hat, bei der eine Trumpf-Farbe eher nicht in Frage kommt. Man könnte stundenlang darüber diskutieren, was besser ist, Farbspiel oder SA, jedoch führt das letztens zu nichts.

    Aus obigem möchte ich einen Grundsatz vorschlagen, den wir auf alle Fälle beherzigen sollten, wenn wir in einem Trumpf-Kontrakt landen, nämlich dass wir versuchen sollten, mit den Trümpfen, die uns zur Verfügung stehen, auch wenn sie ganz klein sind, möglichst viele einzelne Stiche zu machen. Dies wird vor allem bei Board 5 der Fall sein.

    Board 5 vom 08.06.26: Süd landet „selbstverständlich“ in 4 Pik (wie gesagt: Dass der Rechner Schlemm in Coeur sieht, steht auf einem anderen Blatt!).
    Nun sieht er den Tisch mit drei schönen Assen und weiß, dass er nicht fällt. Er sitzt jedoch im Turnier und sollte erkennen, dass es nicht genügen wird, einfach 10 Stiche zu machen, denn an den anderen Tischen werden sicherlich mehr Stiche gemacht; und mit 620 Punkten hat man einen Nuller. Er muss also versuchen, mit den beiden Piks, die auf dem Tisch liegen, einzelne Stiche zu machen! Einfach Pik A, K und Dame abspielen hat zur Folge, dass Pik 10 und 5 ihren Wert verlieren und nur deswegen gut sind, da sie nicht beim Gegner liegen.
    Sieht man also eine Möglichkeit? Die Antwort ist in diesem Fall eindeutig ja! Man nimmt das Ausspiel von Coeur Bube mit dem Ass und spielt anschließend Treff Ass; danach geht man mit klein Karo zum König in der Hand und spielt Treff und sticht am Tisch mit Pik 5; man geht mit einem kleinen Karo zur Hand zurück und sticht in der Hand (wenn Ost sticht, muss man überstechen). Danach spielt man erneut Treff und sticht mit Pik 10 am Tisch.
    Den Rest und das Nachspielen überlasse ich dem geneigten Leser. Wichtig war, dass die zwei kleinen Trümpfe am Tisch optimal eingesetzt wurden und Stiche erzielten!

    Board 2 vom 11.06.26: Hier landet Ost in 4 Pik, wobei der Rechner uns als Par 5 Treff im Kontra von N/S vorschlagt. Er sieht nämlich, dass O/W das Vollspiel in Pik erfüllen und erachtet 5 Treff im Kontra -1 für -200 allemal besser als 4 Pik erfüllt von O/W, was N/S ein Minus von 420 einbringt. Nur Bridge-Cracks, wenn überhaupt, kommen jedoch auf die Idee, ein solches Opfer zu bringen.

    Hier geht es um die Erfüllung des Kontrakts, denn Überstiche sind weit und breit nicht zu sehen. Wie macht also Ost seine 10 Stiche?

    Nach Ausspiel von Karo König nimmt Ost den Stich mit Karo Ass am Tisch; er spielt Coeur Ass und Coeur König ab, wobei er Coeur 5 aus der Hand los wird und Treff 7 aus der Hand abwirft. Dann spielt er eine dritte Coeur-Runde mit Coeur 3 vom Tisch, und überlässt den Gegner diesen Stich, indem er aus der Hand Treff 6 abwirft! Nun hat er die Technik angewandt, die man als „Verlierer auf Verlierer“ bezeichnet! In seiner Hand hat Ost nur noch Karos und Piks, und am Tisch hat er keine Karos mehr und kann somit stechen, wenn Karo gespielt wird. N/S werden einen Stich mit Karo Dame machen, und Ost wird einen dritten Stich an Süds Pik 10 verlieren. Er macht jedoch 10 Stiche (7 Trumpf-Stiche und Karo Ass, Coeur Ass und Coeur König). Diese Hand ist ein klassisches Beispiel dafür, wie man nicht einfach stur und fantasielos die Trümpfe zieht; sie sind viel zu wertvoll, als dass sie zusammenfallen in einem Stich. Stellt euch vor, Ost zieht in 4 Runden die Trümpfe; hinterher sitzt er da und hat kein Beiblatt, mit dem er weitere Stiche machen kann. Zu den hohen Coeurs am Tisch kommt er niemals zurück, denn Coeur 9 bei Nord sperrt ihm den Weg.

    Beide Boards seien herzlich empfohlen als Studien zum Thema Vollspiel in der Oberfarbe!

  2. Board 26 aus dem Paarturnier vom 30.04.26

    In einem Turnier wird ein Board mehrere Male gespielt, je öfter, desto besser, denn nur dadurch bekommt man statistisch gesehen einen aussagekräftigen Überblick über die jeweiligen Leistungen. Vier Mal scheint das absolute Minimum zu sein, weswegen wir immer bemüht sein sollten, Turniere mit mindestens vier Tischen durchzuführen. Unterhalb dieser Zahl verlieren die Boards wie gesagt ihre Aussagekraft, und es scheint eher ein Fall von Hopp oder Topp, ob man gut abschneidet oder nicht. Bei großen Turnieren werden die Boards 10- oder 12-Mal gespielt, und da trennt sich sozusagen der Weizen von der Spreu: Die besten Paare setzen sich letztendlich durch.

    Board 26 vom Turnier am 30. April dieses Jahres wurde vier Mal gespielt, und nur ein Mal wurde der vom Rechner vorgeschlagene Kontrakt geboten und mit einem Überstich erfüllt. Das sollte uns zu denken geben, wenn 75% der Paare unter der Leistung bleiben: Woran lag’s, was sagt das uns, können wir etwas machen, was uns weiterhilft?!?

    Die einfache Antwort ist natürlich ja, jedoch kann das nur passieren, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, ein wenig analysiert und die Dinge mit dem Partner bespricht in der Hoffnung, dass es künftig besser wird; denn es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass uns ähnliche Teilungen bald wieder begegnen werden, und da müssen wir gewappnet sein.

    An Board 26 sind alle in Gefahr, und Ost ist der Teiler. Er wird mit 1 Coeur eröffnen, und schon bei Süd teilt sich der Weg. Gehen wir zunächst einmal davon aus, dass er passt, und später werden wir uns überlegen, was passiert, wenn er seine Treffs nennt.

    West hat also 1 Coeur vom Partner und Pass vom rechten Gegner gehört und weiß sofort, dass er eine sogenannte Bergen-Hebung machen soll. Dies steht schon auf Seite 32 in unserer „Bibel“ Forum D Plus 2015. Was soll West reizen, STOP 3 Treff oder STOP 3 Karo? Er hat nur 9 Figurenpunkte, wobei seine Single Dame in Treff eher mit 2 Punkten als Single denn als Figur zählen sollte. Zählt er jedoch zwei Punkte für den neunten Trumpf und mindestens einen Punkt für die Karo-Länge, wird er auf 11/12 Bergen-Punkte kommen und lieber 3 Karo als 3 Treff reizen. (In dem Heftle Bergen-Hebungen sind etliche Übungen zur Blattbewertung zu finden, und die sollte man durcharbeiten.) Nachdem Nord gepasst hat, wird dann Ost gleich in 4 Coeur gehen.

    Was nun, wenn Süd mit 2 Treff zwischengereizt hat? Da entfällt für West die Bergen-Hebung, und er muss einen anderen Weg finden, um seinem Partner den Fit und die Punkte mitzuteilen. Für solche Fälle versuchen wir seit einiger Zeit den sogenannten „Überruf der gegnerischen Farbe“, in diesem Falle also 3 Treff. Auf Anfrage muss der Partner Auskunft geben, und die Empfehlung lautet einfach „Fit-Bestätigung mit Punkten“. Genügt dies dem Gegner nicht als Antwort, sagt man „10+ Punkte sehr wahrscheinlich 4 Trümpfe, bei starker Hand können es jedoch nur 3 Trümpfe sein“. Da geht Ost natürlich auch dann gleich ins Vollspiel. Interessant wird es natürlich, wenn die Gegner 5 Treff als „Opfer“ bieten, denn Ost steht vor der Frage, ob er 5 Treff kontrieren oder aber lieber 5 Coeur bieten soll. Die Antwort lautet natürlich Kontra, denn Süd wird mindestens drei Mal fallen, und das bringt 800 statt 650 Punkten. Sollten N/S jedoch nicht in Gefahr sein, müsste man als Ost lieber selber 5 Coeur versuchen, als 5 Treff vom Gegner zu kontrieren.

    Und wie macht man 11 Stiche?!? Das überlasse ich dem geneigten Bridge-Freund! Als Anschubse sage ich, dass man die Karos hochspielen muss. Hinterher wird man übrigens auch gerade deswegen verstehen, warum Bergen Zusatzpunkte für Längen in Nebenfarben zählt, denn hier können zusätzlich Stiche entwickelt werden, wenn man die Technik des Hochspielens anwendet.

    1. Barbara und Dieter haben gereizt: Ost 1 Coeur, Sued 2 Treff, West 3 Treff, Nord passe, Ost 4 Coeur. Gespielt wurden 11 Stiche: 2 in Pik, 3 in Trumpf, 2 Karo + 1 Karo stechen, 2 Karo hoch spielen und 1 Stich in Treff.

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